Kinder brauchen eine sprachanregende Umgebung und Menschen, die mit ihnen verbal interagieren. Digitale Medien können dabei eine wertvolle Ergänzung sein und als Impulsgeber für den Dialog dienen.
Digitale Medien als Teil des Alltags – und als Startpunkt für echte Dialoge
Bei der alltagsintegrierten sprachlichen Bildung werden alltägliche Momente wie das Anziehen oder das Tischdecken als Sprechanlässe erkannt und genutzt. Die schönsten Dialoge entstehen jedoch, wenn wir den Interessen der Kinder folgen. Und da digitale Medien – ob uns das gefällt oder nicht – für viele Kinder ein spannendes Thema ihrer Lebenswelt darstellen, liegt es nahe, sie als Gesprächsanlässe aufzugreifen und für die Bildungsarbeit zu nutzen.
Kinder brauchen für ihre sprachliche Entwicklung eine anregende Umgebung und verlässliche Bezugspersonen, die mit ihnen in Verbindung treten. Erwachsene, die auf ihre Bedürfnisse eingehen, ihre Gefühle wahrnehmen und diese in Worte fassen, sie zum Sprechen ermuntern und zum Nachdenken anregen. Digitale Medien können genau hier ansetzen: Sie schaffen gemeinsame Erlebnisse, über die gesprochen, gestaunt und nachgedacht werden kann. Wichtig ist dabei, dass Medien nicht isoliert genutzt werden. Ihr Potenzial liegt im gemeinsamen Erleben, im Kreieren und im Dialog – nicht im alleinigen Konsum.
Filmfiguren analog zum Leben erwecken
Filme, Hörmedien, Spiele oder Medienfiguren gehören längst zur Lebenswelt vieler Kinder. Wenn Fachkräfte daran anknüpfen, eröffnen sich vielfältige Gesprächsmöglichkeiten. Kinder erklären, was sie mögen, was sie gut können oder was ihnen vielleicht auch Angst macht. Sie werden zu Expert:innen für ihr Thema. Ein Beispiel: Kinder erzählen von ihren Medienheld:innen. Diese können gemalt, fotografiert oder digital „zum Leben erweckt“ werden. Entscheidend ist der Austausch darüber: Was macht die Figur besonders? Warum ist sie wichtig für das Kind? Möchte es selbst so sein? Die Faszination wird aufgegriffen und sprachlich, konstruktiv und kreativ weitergeführt.
Aus Bildern und Geräuschen entstehen Sprachwelten
Digitale Medien können Ausdrucks- und Gestaltungsmittel sein – gerade auch für Kinder, die (noch) wenig Deutsch sprechen. Fotos, Bilder oder Geräusche bieten Möglichkeiten, sich mitzuteilen und Geschichten zu erzählen.
Schon die Jüngsten sind in der Lage zu fotografieren. Aus Fotos entstehen Bildgeschichten, Rätsel oder Collagen. Vor- und Nachteile digitaler und analoger Varianten lassen sich im Gespräch und durch Ausprobieren gegeneinander abwägen: Was kann man bei analog (ganz haptisch mit Schere, Papier und Kleber) erstellten Collagen machen, aber bei digitalen nicht? Am Ende ordentlich Glitzergel drauf zum Beispiel! Welche Möglichkeiten bieten dagegen digitale Tools? Fotos lassen sich beliebig vergrößern oder verkleinern und ineinander einfügen so dass ein Kind bspw. ein Bild von sich selbst im Kampf mit einem Playmobil-Drachen erzeugen kann.
Aus Collagen, Fotos oder Gemälden kann ein digitales Bilderbuch wachsen, das Kinder mit Geräuschen, Musik oder selbst gesprochenem Text in verschiedenen Sprachen vertonen. Auch gezielte Sprachimpulse sind möglich, etwa wenn Kinder Reim-Gegenstände fotografieren (Hose – Dose) oder Hör-Rätsel aufnehmen. Tonaufnahmen helfen zudem, das eigene Sprechen bewusst wahrzunehmen: Wie sollte ich sprechen, damit man mich gut versteht?
Mit Technik Sprache hörbar, sichtbar und erlebbar machen
Digitale Möglichkeiten sollten nicht dazu verleiten, sprachliche Aspekte losgelöst vom Sinn zu üben. Sprache bleibt immer Mittel der Kommunikation. Hilfreich sind Medien, die das Aufnehmen und Wiedergeben von Sprache ermöglichen, etwa Erzählboxen, Buzzer oder sprechende Wände. Mit Audiostiften können Kinder spezielle Aufkleber „besprechen“, Geräusche, Worte oder ganze Texte speichern. Diese können sie anschließend auf Gegenständen, Spielen oder Büchern platzieren und später mit dem Stift wieder abhören.
Bildgestützte Kommunikation ist besonders für Kinder mit Sprachbeeinträchtigungen hilfreich und kann das Digitale mit dem Analogen verbinden. Dafür gibt es unterstützende Kommunikationshilfen von einfachen Geräten mit Bildern und Symbolen bis hin zu komplexen Sprachcomputern. Kinder mit wenig Vorleseerfahrung lassen sich oft von Büchern mit multimedialen Elementen für Geschichten begeistern. Und auch Eltern, die wenig oder gar nicht vorlesen, erleichtern interaktive Bücher erwiesenermaßen den Zugang zum Vorlesen.
Familiensprachen auch digital Raum geben
Mehrsprachigkeit ist eine Ressource. Die Sprachen der Familien sollten in der Kita wertgeschätzt und einbezogen werden. Digitale Medien bieten dafür viele Möglichkeiten: Eltern oder Bezugspersonen können Geschichten in ihren Familiensprachen aufnehmen und präsentieren, auch ohne vor Ort zu sein. So werden Sprachen hörbar und sichtbar – und Kinder erleben, dass ihre Familiensprachen willkommen sind.
Digital ergänzt analog – im Mittelpunkt steht immer das Kind
Grundsätzlich gilt: Digitale Medien ersetzen keine analogen Erfahrungen. Sie ergänzen sie. Ein (mehrsprachiges) digitales Bilderbuch löst nicht das (mehrsprachige) Vorleseangebot ab, analoge Bilderbuchbetrachtung bleibt neben dem Bilderbuchkino bestehen. Der Vergleich und das Gespräch darüber sind selbst wieder wertvolle Sprachanlässe.
Digitale Medien sind also kein Ersatz für zwischenmenschliche Interaktion. Richtig eingesetzt können sie jedoch Kommunikation bereichern, zusätzliche Spracherfahrungen ermöglichen und neue Dialoge eröffnen. Im Mittelpunkt steht nicht die Technik, sondern immer das Kind mit seinen Bedürfnissen, Interessen und Lernprozessen!
Welche Erfahrungen hast du mit digitaler Sprachbildung in deiner Kita gemacht? Teile deine Gedanken gern und schreib uns. Vielleicht probierst du eine der Ideen schon bald aus – und kommst darüber mit Kindern ins Gespräch.
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Weiterlesen, -hören, -sehen:
- Handreichung: „Mit Medien im Dialog“
- Video: Aufwachsen in der Medienwelt – 6. Sprachliche Bildung mit Medien

