Die kinderfreundlichste Stadt der Welt? Wien hat sich Großes vorgenommen. Wie ein Weg dorthin aussehen könnte, zeigt die Innovationswerkstatt EducationLab.
Wien hat etwas, das Hamburg fehlt
Vor zwei Jahren kam ich das erste Mal beruflich nach Wien. Ich war unsicher, was ich von der Stadt in Sachen Bildung erwarten kann. Zwar kulturell und architektonisch interessant, jedoch kein Ort, der mich bildungspolitisch herausfordert. Aber ich stieß ich auf eine Ansage: Wien will die kinderfreundlichste Stadt der Welt werden. Das hat mich gepackt. Nicht weil ich überzeugt war, dass sie das sind, sondern weil diese Vision etwas bewirkt: Sie gibt Menschen Mut, die etwas verändern wollen.
Was ich in Wien nicht gesehen habe
Das beste Bildungssystem der Welt? Nein. Die chancengerechteste Gesellschaft? Auch nicht. Viele Wiener:innen wussten selbst nicht, dass ihre Stadt die kinderfreundlichste Stadt der Welt werden will und zweifelten offen daran.
Von Hamburg kenne ich eher weniger Diskurs. Dagegen mehr Diskurs darüber, das Bestehende zu schützen und nicht das Neue zu gestalten. Gerade in finanziell schwierigen Zeiten wird Bildung nicht als Investition in die Zukunft verstanden, sondern als Sozialpolitik, die wir uns teilweise nicht leisten können. Und darüber wird der Diskurs am liebsten eher im Stillen gehalten. Wir verwalten, statt zu gestalten.
Was Wien anders macht
Im Rahmen seiner Kinder- und Jugendstrategie hat Wien vor einem Jahr das EducationLab gegründet. Es dient als Denkfabrik und Schnittstelle für Politik und Praxis. Zum einjährigen Bestehen durfte ich das EducationLab besuchen. Ein Ort, der nicht zeigt „Wir sind die Besten!“, sondern ein Ort, der vorlebt „Wir wollen das Beste geben!“ Was mich beeindruckt hat: Es ist ein Ort, der verbindet, Anerkennung und Raum für Ideen gibt. Es ist die Bereitschaft, ernsthaft zu diskutieren: über Kinder, über Bildung, über die Frage, wie wir leben wollen.
Ins Gespräch kommen für eine kinderfreundlichere Welt
Das Education Lab zeigt, wie wir Bildung gestalten können. Ein Raum, der zeigt, was uns Bildung als Gesellschaft wert sein kann und der Veränderung auf einfache Weise anstößt. Indem Menschen ins Gespräch kommen und indem auch die höchsten Vertreter:innen Kinder ernst nehmen und Bildung einen besonderen Wert beimessen.
Das ist machbar und kostet zunächst nicht viel Geld, sondern Bereitschaft zum Wandel.
Ich wünsche dem EducationLab Wien alles Gute zum ersten Geburtstag! Vielen Dank, für diesen tollen Ort und diese wunderbaren Menschen.
Wenn auch du die Bildung von morgen mitgestalten willst, melde dich.
Verantwortung braucht Verbündete.
Foto: ©Lea Fabienne - Education Lab Opening Event

Über den Autor
Benedikt Hensel
Als Diplom-Pädagoge und Geschäftsführer bei Kindermitte bewegt er sich zwischen Fachpraxis und Politik. Seine Schwerpunkte: eine Gesellschaft und Bildungslandschaft, die Kinder wirklich in den Mittelpunkt stellen. Dafür übernimmt er mit Kindermitte Verantwortung – weil echte Wirkung Haltung braucht.

