Versprochen ist versprochen – Brief an Finanzsenator Dr. Dressel

Bundesgelder da, Zusagen gemacht – aber nicht umgesetzt. Wir wenden uns direkt an Finanzsenator Dressel und fordern Investitionen in Qualität.

Wir haben uns mit einem Brief an Finanzsenator Dr. Dressel gewendet. Thema: Von 88,2 Millionen Euro Bundesförderung für die Kindertagesbetreuung in 2025/2026 werden lediglich 1,67 Millionen für neue Qualitätsmaßnahmen eingesetzt.
Der Großteil der Mittel fließt in die Refinanzierung bereits umgesetzter Maßnahmen wie den Krippen-Personalschlüssel. Die im September 2023 von der damaligen Senatorin Schlotzhauer angekündigten Anleitungsstunden für alle Auszubildenden und der Einstieg in die mittelbare Pädagogik werden nicht beachtet.


Warum der Brief an die Finanzbehörde geht:

In Gremien und Gesprächen zeigt sich, dass die Behörde für Schule, Familie und Berufsbildung die Notwendigkeit der Qualitätsmaßnahmen inhaltlich sieht. Der Spardruck kommt aus der Finanzbehörde. Auch mit Blick auf ein in Kürze erwartetes neues Qualitätsgesetz ab 2027, sind diese Maßnahmen notwendig und aktuell. Deshalb wendet sich Kindermitte direkt an den Finanzsenator.
Nach Jahren des quantitativen Ausbaus ist jetzt der Zeitpunkt für Qualitätsverbesserungen. Wir erinnern an die gemachten Zusagen.

Den vollständigen Brief findest du hier.

Haushaltseinsparungen nicht zu Lasten der Qualität in der Kindertagesbetreuung

Sehr geehrter Herr Senator Dr. Dressel,

in der Hoffnung auf ein gemeinsames Verständnis für die Bildung und Zukunft der Kinder in Hamburg wenden wir uns heute an Sie. Als Geschäftsführung von Kindermitte e. V., dem Verband für die freien und sozialunternehmerischen Träger im Kita- und GBS-Bereich, bitten wir Sie um einen konstruktiven Dialog zu notwendigen Investitionen in gute Bildung und Chancengerechtigkeit.

Die Fakten

Hamburg erhält vom Bund für die Jahre 2025 und 2026 insgesamt 88,2 Millionen Euro zur Verbesserung der Kita-Qualität. Davon werden lediglich 1,67 Millionen Euro für neue Qualitätsmaßnahmen eingesetzt – konkret für ein Pilotprojekt zu Anleitungsstunden, das nur einen Bruchteil der Auszubildenden erreicht. Der überwiegende Anteil der Bundesmittel fließt in die Refinanzierung bereits umgesetzter Maßnahmen wie den Krippen-Personalschlüssel (seit 2021 vollständig umgesetzt) und die Kita-Plus-Fachberatung (2023 beschlossen, seit 2024 aktiv).

Was den Kindern, Familien und Fachkräften versprochen wurde

Im September des letzten Jahres kündigte die damalige Sozialsenatorin Schlotzhauer konkret an:

– Den Einstieg in die Förderung von Anleitungsstunden für alle Auszubildenden, Studierenden und Quereinsteigenden – Umsetzung ab Sommer 2025
– Den Start der mittelbaren Pädagogik ab Mitte 2026

Beide Zusagen wurden bis heute nicht eingehalten. Stattdessen ist ein Pilotprojekt vorgesehen, das mit 1,67 Millionen Euro nur einen sehr kleinen Teil der insgesamt 88,2 Millionen Euro Bundesförderung umfasst.

Unsere Position

Wir verstehen die haushaltspolitischen Herausforderungen und teilen die Verantwortung für einen sorgsamen Umgang mit öffentlichen Mitteln. Gleichzeitig stehen durch die Bundesbeteiligung und sinkende Kinderzahlen Mittel zur Verfügung, die explizit für Qualitätsverbesserungen vorgesehen sind. Für Sie als Finanzsenator sollte dabei von besonderem Interesse sein: Investitionen in die frühe Bildung sind ökonomisch hochrentabel und mindern erheblich Folgekosten in anderen Bereichen.

Wir erleben in Gremien und Gesprächen, dass die Behörde für Schule, Familie und Berufsbildung die Notwendigkeit dieser Maßnahmen inhaltlich sieht, jedoch offenbar durch Sparvorgaben der Finanzbehörde daran gehindert wird, sie umzusetzen.

Nach Jahren des quantitativen Ausbaus ist jetzt der Zeitpunkt für den notwendigen Qualitätsimpuls – spätestens mit dem neuen Kita-Qualitätsgesetz, das Anfang des neuen Jahres verabschiedet werden soll. Dies ist auch eine Frage der Generationengerechtigkeit. Diese Mittel stehen den Kindern zu – für ihr Recht auf gute Bildung und ein gerechtes Aufwachsen.

Unser Anliegen

Uns ist bewusst, dass die Kindertagesbetreuung bereits den größten Einzelposten im Hamburger Haushalt darstellt und Sie als Finanzsenator für viele Bereiche Verantwortung tragen. Dennoch stellt sich die Frage: Wie rechtfertigt ein Finanzsenator, der Politik für alle Menschen – auch für jedes Kind – machen muss, die Entscheidung, verfügbare Bundesmittel nicht für die vorgesehenen Qualitätsverbesserungen zu nutzen?

Unsere Forderung

Wir fordern Sie auf, die von Ihrer Senatskollegin gemachten Zusagen einzuhalten und die Mittel für notwendige Qualitätsverbesserungen freizugeben:

– Breite Förderung von Anleitungsstunden für alle Auszubildenden, Studierenden, FSJler:innen und Quereinsteigenden
– Zeitnaher Einstieg in die mittelbare Pädagogik für alle Fachkräfte

Die Kinder, Eltern und Fachkräfte in dieser Stadt haben ein Recht auf Verlässlichkeit politischer Zusagen und auf ein gutes, verlässliches frühkindliches Bildungssystem. Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass Hamburg seinem Anspruch als Bildungsstadt gerecht wird und das Beste für seine Kinder gibt.

Für ein Gespräch zu diesem Thema stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung und bitten um Rückmeldung.

Mit besten Grüßen

Benedikt Hensel
Lisa Burmeister
Geschäftsführung, Kindermitte e. V.

Über den Autor

Benedikt Hensel

Als Diplom-Pädagoge und Geschäftsführer bei Kindermitte bewegt er sich zwischen Fachpraxis und Politik. Seine Schwerpunkte: eine Gesellschaft und Bildungslandschaft, die Kinder wirklich in den Mittelpunkt stellen. Dafür übernimmt er mit Kindermitte Verantwortung – weil echte Wirkung Haltung braucht.

  • benedikt@kindermitte.org

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