Kinder politisch beteiligen

Wie ein:e Landeskinderbeauftragte:r arbeitet und warum wir eine solche Stelle auch für Hamburg brauchen. 

„Die Vertragsstaaten sichern dem Kind, das fähig ist, sich eine eigene Meinung zu bilden, das Recht zu, diese Meinung in allen das Kind berührenden Angelegenheiten frei zu äußern, und berücksichtigen die Meinung des Kindes angemessen und entsprechend seinem Alter und seiner Reife."
– Artikel 12, UN-Kinderrechtskonvention

Diese Worte sind nicht nur ein Ideal – sie sind ein Rechtsanspruch, den Deutschland 1990 durch die Unterzeichnung der UN-Kinderrechtskonvention eingegangen ist. In der pädagogischen Praxis gibt es bereits viele Bemühungen und Ideen Partizipation im Alltag zu stärken. Doch wie sieht die Realität auf politischer Ebene aus? Werden Kinder tatsächlich in allen Bereichen gehört? Haben sie die Möglichkeit, an den Entscheidungen teilzuhaben, die ihr Leben unmittelbar betreffen?

Um diesen Fragen nachzugehen, haben wir von Kindermitte Katrin Krumrey, die Landes- Kinder- und Jugendbeauftragte aus Brandenburg, zu einem Diskussionsabend nach Hamburg eingeladen. Der Abend war nicht nur informativ – er war ein Appell, der nachhallt.

Im Rahmen des Abends hat Magnus Becken mit einem Gallery Walk auch unser Projekt "Kinderstimmen ins Rathaus" vorgestellt. Dieses Projekt zeigt, wie wir bereits den Stimmen von KitaKindern Ausdruck verleihen können und demokratische Beteiligung bereits in dem jungen Alter stärken können.

Die unsichtbare Mehrheit: Kinder unter 13 Jahren

In Deutschland leben aktuell ca. 9 Millionen Kinder unter 13 Jahren. Das ist eine beachtliche Zahl und doch eine Gruppe, die in politischen und gesellschaftlichen Debatten weitgehend unsichtbar bleibt.
Während das Wahlalter teilweise auf 16 Jahre herabgesenkt wurde und Jugendparlamente demokratische Beteiligung fördern sollen, fällt eine große Gruppe durchs Raster: Kinder, die weder wahlberechtigt noch alt genug für Jugendparlamente sind oder für diese ausgewählt werden.

In einer alternden Gesellschaft geraten die Interessen dieser jüngsten Bürger:innen zunehmend in den Hintergrund. Ihre Bedürfnisse, ihre Perspektiven, ihre Zukunft – all das wird oft überhört oder als „noch nicht relevant" abgetan. Doch genau hier liegt das Problem: Kindern gehört die Zukunft, sie sind aber auch Teil vom Heute.

Brandenburg zeigt, wie es gehen kann

Brandenburg hat eine Vorreiterrolle eingenommen, wenn es um die politische Beteiligung von Kindern und Jugendlichen geht. Mit der Schaffung einer institutionell verankerten Stelle der Landes- Kinder- und Jugendbeauftragten hat das Bundesland einen wichtigen Schritt getan: Es gibt eine unabhängige Stimme, die die Interessen junger Menschen im Alltag stärkt und gegenüber der Landesregierung und den Kommunen vertritt.

Katrin Krumrey berichtete eindrucksvoll von ihrer Arbeit. Besonders wichtig dabei: Sie geht aktiv auf Kinder und Jugendliche zu – in Schulen, in Jugendzentren, in ihrer Lebenswelt. Sie versucht eindringlich auch diejenigen zu erreichen, die sich nicht von selbst in politischen Strukturen engagieren.

Denn das ist entscheidend: Nicht nur die politisch interessierten Jugendlichen sollen gehört werden – alle Kinder und Jugendlichen müssen die Möglichkeit haben, ihre Anliegen, Sorgen und Ideen einzubringen. Dazu braucht es verschiedenste Formate und Orte.

Situation in Hamburg

Hamburg wäre prädestiniert für eine solche Struktur. Als Stadtstaat hat Hamburg einen entscheidenden Vorteil: Kompaktheit.
Während größere Flächenländer oft Schwierigkeiten haben, Kindern und Jugendlichen aus verschiedenen Regionen einen gemeinsamen Raum zu bieten, ohne lange Anfahrtszeiten in Kauf zu nehmen, liegt in Hamburg alles nah beieinander.

Der Ausblick ist bisher ernüchternd: Eine vergleichbare Stelle gibt es in Hamburg nicht. Und das, obwohl wir als Gesellschaft mehr unternehmen müssen, um Kinder und Jugendliche zu informieren, sensibilisieren und ihnen Perspektiven für wirkliche Mitbestimmung zu geben.

Das sind keine unerreichbaren Utopien – das ist politischer und gesellschaftlicher Wille. Und genau diesen Willen braucht es auch in Hamburg – und darüber hinaus.

Unsere Forderung: Eine Landeskinderbeauftragte für Hamburg!

Wir von Kindermitte fordern daher die Hamburger Politik auf, die Einrichtung einer:s Landeskinderbeauftragten voranzutreiben.
Als wichtiger Teil der gegenwärtigen Gesellschaft und als Gestalter:innen der Zukunft müssen die Belange aller Kinder gehört werden.

Mehr Informationen zu unserer Forderung einer:s Landeskinderbeauftragten findest du in unserem Forderungspapier.

Über den Autor

Benedikt Hensel

Als Diplom-Pädagoge und Geschäftsführer bei Kindermitte bewegt er sich zwischen Fachpraxis und Politik. Seine Schwerpunkte: eine Gesellschaft und Bildungslandschaft, die Kinder wirklich in den Mittelpunkt stellen. Dafür übernimmt er mit Kindermitte Verantwortung – weil echte Wirkung Haltung braucht.

  • benedikt@kindermitte.org

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