Fachkräftequoten in Kitas – Hamburg im Fokus

Die Bertelsmann Stiftung hat Ende September 2025 ihre neueste Studie zu den Fachkräftequoten in deutschen Kindertagesstätten veröffentlicht und dabei höchst alarmierende Entwicklungen aufgezeigt. Besonders Hamburg steht im Scheinwerferlicht der Kritik. Doch diese Zahlen erzählen nicht die ganze Geschichte über die Qualität frühkindlicher Bildung.

Hamburg in der Kritik: Die Zahlen im Detail 

 
Lediglich 14 Prozent der Hamburger Kitas erreichen die von Bund und Ländern empfohlene hohe Fachkraftquote von mindestens 82,5 Prozent. Das bedeutet: In diesen Einrichtungen haben mehr als acht von zehn pädagogischen Tätigen einen einschlägigen Fachschul- oder Hochschulabschluss. 2017 erfüllten noch 20 Prozent der Hamburger Kitas dieses Kriterium. Mit nur 63,9 Prozent Fachkraftquote liegt die Hansestadt bundesweit auf dem zweitletzten Platz, nur noch „übertroffen“ von Bayern mit 54,5 Prozent. Der Trend ist eindeutig rückläufig – und das nicht nur in Hamburg, sondern bundesweit.
Die Hamburger Bildungsbehörde wehrt sich gegen diese Darstellung. Ein Sprecher kritisiert, dass sich die Fachkräftedefinition der Bertelsmann Stiftung nicht mit den von Hamburg anerkannten Berufsabschlüssen decke. Diese Kritik ist nicht von der Hand zu weisen, denn sie zeigt ein grundlegendes Problem in der Debatte auf: Wer definiert überhaupt, was eine Fachkraft ist?


Definition der Bertelsmann-Stiftung greift zu kurz

Betrachtet  man das Studium genauer, wird nämlich schnell klar: Die zugrunde gelegte Definition zur Berücksichtigung von „Fachkräften“ im Zitat greift zu kurz, denn sie setzt einen einschlägigen Fachschul-, oder Fachhochschulabschluss voraus. Einschlägig bedeutet in diesem Fall eine Einordnung des Abschlusses auf Qualifikationsniveau eines Bachelors (staatlich anerkannte Erzieher:innen erreichen dieses Niveau). Damit verzerrt die Bertelsmann-Stiftung das Bild und verkennt die Realität in Hamburger Kindertageseinrichtungen. Neben staatlich anerkannten Erzieher:innen und akademisch qualifizierten Kindheitspädagog:innen bereichern auch andere Gruppen den Alltag in den Kindertageseinrichtungen: Sozialpädagogische Assistent:innen (SPA) und anderweitig qualifizierte „Quereinsteiger:innen“ sind fester Bestandteil des pädagogischen Alltags und für die Kinder unverzichtbare Bezugspersonen. Ebenso zählen bestimmte Therapeut:innen nicht zur Gruppe der einschlägig Qualifizierten, die aber wichtige Stützen für viele Kitas sind – nicht nur in der Eingliederungshilfe. In der Betrachtung der Studie finden diese jedoch keine Anerkennung, wodurch der Einfluss dieser Menschen auf die Qualität völlig übersehen wird. Neben den pädagogisch grundständig qualifizierten SPA's und Therapeut:innen spielen auch Menschen, die aus anderen Berufsfeldern in der Kindertagesbetreuung gefunden haben, eine wichtige Rolle. So ist der „Quereinstieg“ in vielen Einrichtungen nicht nur ein Notnagel aufgrund des Personalmangels, sondern eine aktive Möglichkeit zur Gestaltung multiprofessioneller Teams. Die meisten Quereinsteiger:innen verfügen über sonstige Studienabschlüsse und stellen damit insbesondere für die Bildungsarbeit in den Kitas eine große Bereicherung dar. Viele von Ihnen sind seit vielen Jahren fester Bestandteil pädagogischer Teams und lernen so „on the job“ und in zahlreichen Fortbildungen immer mehr über pädagogische Professionalität.   

Professionelle Weiterentwicklung wird außer Acht gelassen

Denn  ein weiterer Faktor, den die Studie der Bertelsmann-Stiftung außer Acht lässt, ist die berufliche Weiterentwicklung im Laufe der Karriere eines pädagogischen Mitarbeiters:in. Die Bewertung der Qualität der pädagogischen Interaktionen erfolgt ausschließlich auf Grundlage des letzten Berufsabschlusses der Pädagog:innen missachtet, dass Träger und Leitungen von Kindertageseinrichtungen ihre Teams kontinuierlich mit Fort- und Weiterbildung weiterqualifizieren und damit erheblich zur Qualitätsentwicklung beitragen. Eine jahrelang oder gar jahrzehntelang erfahrene sozialpädagogische Assistentin oder Quereinsteigerin, die sich jährlich mehrfach fortbildet, wird in der Betrachtung der Bertelsmann-Studie schlicht nicht als „Fachkraft“ anerkannt. Das stellt aus unserer Sicht als Verband, der für die pädagogische Qualität in Kindertageseinrichtungen eintritt, nicht nur eine mangelnde Wertschätzung der Kita-Mitarbeiter:innen dar, sondern auch eine undifferenzierte Perspektive auf die Steuerungsmechanismen von Kita-Qualität.


Blick nach vorn: Jetzt in gestärkte Teams investieren

Der  Bildungsbereich muss professionell aufgestellt sein und sich auch professionell weiterentwickeln. Es ist unbestritten, dass es für eine gute pädagogische Arbeit in den Einrichtungen auch gut ausgebildetes pädagogisches Personal braucht. Doch für eine nachhaltige Qualitätsentwicklung darf es nicht nur darum gehen, ein bestimmtes Zitat zu erreichen. Entscheidend ist, dass wir die bestehenden Teams und Organisationen stärken – durch Qualifizierung, Begleitung und Zeit für pädagogische Reflexion. Gerade Auszubildende und Quereinsteiger:innen brauchen erfahrene und motivierte Fachkräfte, die sie anleiten, ihnen Sicherheit geben und professionelles Selbstbewusstsein vermitteln. 
Angesichts sinkender Kinderzahlen ist jetzt der richtige Zeitpunkt, diese freiwerdenden Kapazitäten gezielt und weitsichtig in die Stärkung der vorhandenen Kompetenzen und die weitere Personalentwicklung zu investieren, anstatt sich kurzfristig über zu freuen. Denn wir haben in gute pädagogische Beziehungen und stabile Teams investiert, letztlich in die Kinder selbst und damit in die gesamte Gesellschaft.

Woran machst du fest, was eine qualifizierte Fachkraft ist? Schreibe uns gerne in die Kommentare, was aus eurer Perspektive eine gute Fachkraft ausmacht!

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