Seit 20 Jahren ist das Kita-Gutscheinsystem fester Bestandteil der Hamburger Bildungslandschaft. Du als Kindermitte-Mitglied hast in dieser Zeit nicht nur Plätze geschaffen, sondern Qualität entwickelt. Über 7.000 Kinder finden täglich an mehr als 100 Kita- und GBS-Standorten unserer Kindermitte-Mitglieder einen Ort zum Wachsen. Als Sozialunternehmer:in bist du elementarer Teil dieses Systems. Die letzten Jahre und auch die kommenden waren und werden von Wandel geprägt sein. Ein Wandel, der uns fordert, aber unumgänglich ist. Gemeinsam müssen wir uns diesem stellen und ihn im Sinne der Kinder gestalten.
20 Jahre Kita-Gutscheinsystem: Eine Erfolgsgeschichte
Das Kita-Gutscheinsystem hat Hamburg verändert. Nach zwei Jahrzehnten quantitativen Ausbaus stehen heute ausreichend Kita- und GBS-Plätze zur Verfügung. Doch die Errungenschaften gehen weit über quantitative Zahlen hinaus:
- Wahlfreiheit für Familien und Fachkräfte: Das System ermöglicht Entscheidungen – Familien können häufiger wählen, welche Kita ihre Kinder besuchen sollen. Fachkräfte können wählen, wo und wie sie arbeiten möchten.
- Vielfältige Konzepte: Freie Träger wie du haben zu einer bemerkenswerten Vielfalt geführt – pädagogisch wie organisatorisch. Unterschiedliche pädagogische Ansätze, eine klare Haltung zu Vielfalt, innovative Arbeitsmodelle: Diese Unterschiede sind eine der großen Stärken des Gutscheinsystems. Und werden besonders gelebt durch aktive und verantwortungsbewusste freie Träger.
Vor der Transformation: Neue Herausforderungen
Nach dem quantitativen Ausbau steht Hamburg nun vor einer Transformation. Demografischer Wandel, Zuzug und Umzug innerhalb der Stadt verändern die Bedarfslandschaft kontinuierlich. Während an manchen Standorten Überkapazitäten entstehen, fehlen in bestimmten Stadtteilen weiterhin Plätze.
Doch ein Überangebot an einzelnen Standorten ist kein Grund, am Kita-Gutscheinsystem zu zweifeln. Es ist vielmehr ein Zeichen dafür, dass das System dynamisch auf sich verändernde Bedarfe reagieren muss und kann.
Nicht bewahren, sondern gestalten
Diese Transformation fordert alle Beteiligten: Stadt, Familien, Fachkräfte und Träger. Jetzt geht es nicht darum, Altes zu bewahren, das nicht mehr ins Heute passt. Vielmehr müssen wir uns alle auf den Weg machen, das Gutscheinsystem so zu nutzen und dort anzupassen, wo es notwendig ist. Mit dem Ziel, das bestmögliche Bildungssystem zu schaffen.
Das erfordert Bewegung und Willen zum Wandel – dem stellen sich unsere Mitglieder. Sie stärken ihr Profil, um die Menschen zu erreichen, die sie von ihrer Qualität überzeugen möchten.
Wandel bedeutet auch, die Bedarfe besser kennenzulernen und Standorte neu zu denken – und sich im Zweifel von alten zu trennen. Weiterhin sind neue Standorte notwendig, um Kinder und Familien zu erreichen und die Träger besser aufzustellen. Im Sinne der Kinder, Familien und Fachkräfte und mit unternehmerischer Verantwortung.
Insbesondere kleine und mittlere freie Träger zeichnen sich durch eine hohe Flexibilität aus, die auch in Zukunft gefragt sein wird. Öffnungszeiten, Belegstruktur, konzeptuelle Weiterentwicklung: auch kleine Anpassungen sind wichtige Schritte in die richtige Richtung.
Was wir gemeinsam von der Stadt erwarten
Unsere Mitglieder stellen sich all diesen Herausforderungen. Dazu braucht es aber auch einen sicheren und klaren Rahmen. Besonders wichtig: Die Stadt muss gemeinsam mit uns die Fortschreibungssystematik hin zu einem vorausschauenden Vorgehen umwandeln. Das schafft bessere Planbarkeit – für die Stadt und für unsere Mitgliedskitas und GBS.
Wir erwarten von der Stadt, dass freiwerdende Mittel durch sinkende Kinderzahlen und das neue Bundesqualitätsgesetz in Qualität reinvestiert werden. Nur so entsteht eine zukunftsgerichtete frühe Bildung, die für alle Kinder da ist.
2026: Die richtigen Weichen stellen
Viele unserer Mitglieder sind seit 20 Jahren als freie Träger elementarer Teil des Gutscheinsystems. Bei Kindermitte ist das seit 13 Jahren keine Frage des Gegeneinanders, sondern des Miteinanders. Denn so lässt sich das Bestmögliche im Sinne der Kinder, Familien und Fachkräfte bewirken.
Dafür brauchen wir Sozialunternehmen, die das Morgen gestalten wollen – nicht solche, die das Gestrige bewahren wollen. Genau darauf wird es 2026 ankommen: die richtigen Weichen zu stellen für eine Zukunft, in der nicht nur ausreichend Betreuungsplätze vorhanden sind, sondern in der wir gemeinsam mehr für alle Kinder geben.

Über den Autor
Benedikt Hensel
Als Diplom-Pädagoge und Geschäftsführer bei Kindermitte bewegt er sich zwischen Fachpraxis und Politik. Seine Schwerpunkte: eine Gesellschaft und Bildungslandschaft, die Kinder wirklich in den Mittelpunkt stellen. Dafür übernimmt er mit Kindermitte Verantwortung – weil echte Wirkung Haltung braucht.

