Wenn wir Kinder auf die Zukunft vorbereiten sollen, müssen wir die Zukunft auch im Interesse der Kinder gestalten.
In der Bildung ist die Zukunft präsent und sogar sehr darauf ausgelegt. Welche Kompetenzen brauchen Kinder? Wie bereiten wir sie vor für die Schule, für den Arbeitsmarkt, auf das Leben? Auf eine Welt, die wir selbst kaum überblicken? Die Fragen sind berechtigt und werden heutzutage aber ausnahmslos von Erwachsenen und deutlich älteren Menschen getroffen. Über Klimapolitik, über soziale Sicherheit, über das Zusammenleben in einer vielfältigen Gesellschaft über Kitas oder Schulen. Kinder erben diese Entscheidungen. Die Verantwortung für die Zukunft liegt also nicht bei ihnen, sondern bei uns.
Das Kind lebt jetzt
Bevor wir über Zukunft nachdenken, muss eines betont werden: Kinder sind keine Rohstoffe oder Arbeitskräfte für die Gesellschaft von morgen. Sie sind Menschen, die heute leben, heute erleben, heute Rechte haben. Kindheit ist kein Wartezustand.
Wer Kitas vor allem als Vorstufe zur Schule begreift, Schule vor allem als Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt, der zieht die Kindheit in einen langen Zweck-Mittel-Zusammenhang, in dem das Jetzt immer nur für das Später zählt.
Wir wissen jedoch: beides gehört zusammen. Die Frage „Was braucht dieses Kind heute?" und die Frage „Was wird diesem Kind morgen helfen?" schließen sich nicht aus, sie gehören zusammen. So ergeben sich auch die zentralen Fragen: Nicht nur „Was brauchen Kinder für die Zukunft?", sondern auch „Welche Zukunft wollen wir ihnen hinterlassen – und was tun wir dafür?"
Krise als vermeintlicher Dauerzustand
Das Gefühl, in besonders unsicheren Zeiten zu leben, ist verbreitet und verständlich. Krisen gab es auch immer, was aber aktuell passiert: Errungenschaften werden in Frage gestellt. Was sich verändert hat und bedeutsam ist, ist nicht unbedingt die Häufigkeit von Krisen, sondern ihre Sichtbarkeit. Wir begegnen ihnen heute auf mehr Kanälen, in höherer Frequenz, ohne Filter. Das erzeugt ein Gefühl permanenter Bedrohung, das lähmen kann und das die Vergangenheit im Rückblick oft besser erscheinen lässt, als sie war.
Wer aber in dieser Lähmung verharrt, gestaltet nicht. Und Gestaltung ist das, worauf es ankommt. Nicht das Ausblenden von Problemen, sondern die Fähigkeit, trotz ihrer Komplexität handlungsfähig zu bleiben – und zwar gemeinsam.
Verantwortung braucht Verbündete
Genau hier liegt die eigentliche Zukunftskompetenz: nicht im individuellen Durchhalten, sondern im gemeinsamen Denken und Handeln. Viele der großen Herausforderungen unserer Zeit – Klimawandel, demokratische Erosion, soziale Ungleichheit – lassen sich nicht allein lösen. Sie brauchen Gemeinschaft als Ressource, als Ort, an dem unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen und Lösungen entstehen, die allein undenkbar wären.
Das gilt auch für die Frühpädagogik. Kitas und Schulen sind keine Orte, an denen Zukunft nur vorbereitet wird – sie sind Orte, an denen sie schon stattfindet. In jeder Gruppe, die gemeinsam etwas bewältigt. In jeder Fachkraft, die nicht einfach begleitet, sondern wirklich mitdenkt. In jedem Träger, der nicht nur verwaltet, sondern gestaltet.
Was wäre wenn?
Kindermitte stellt sich diesen Fragen in der Zukunftsreihe. Zukünfte müssen nicht überwältigend sein - sie sind gestaltbar. In den nächsten Monaten kommen viele spannende Termine dazu, um mitzudenken, zu erleben und eine Perspektive für eine Gesellschaft zu entwickeln, die Kinder im Fokus hat.

Über den Autor
Benedikt Hensel
Als Diplom-Pädagoge und Geschäftsführer bei Kindermitte bewegt er sich zwischen Fachpraxis und Politik. Seine Schwerpunkte: eine Gesellschaft und Bildungslandschaft, die Kinder wirklich in den Mittelpunkt stellen. Dafür übernimmt er mit Kindermitte Verantwortung – weil echte Wirkung Haltung braucht.

