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09.07.18
Autor: Kira Stormberg
Kira Stormberg

Der Junge im Rock

Mädchen tragen rosafarbene Kleider und spielen gerne mit Puppen. Jungen bevorzugen die Farbe Blau und interessieren sich für Autos und Fußball. Auch heutzutage finden sich noch viele Stereotype in unserer Gesellschaft, die einen prägenden Einfluss auf das Aufwachsen von Kindern haben können. Insbesondere in der Werbeindustrie findet man viele Beispiele, in denen Klischees sichtbar werden. So werden Kindern nicht nur bei Kleidung, sondern auch bei Spielzeug, welches es oft in zwei Varianten für Mädchen und für Jungen gibt, einseitige Geschlechterrollen und stereotype Vorstellungen vermittelt. Selbst der Blick ins Süßigkeitenregal genügt, um das Klischee vom rosaliebenden Mädchen beim Überraschungsei wiederzufinden. Eine gute Möglichkeit, um diese Rollenbilder kindgerecht zu hinterfragen, ist das Vorlesen von Büchern, die Kindern die unterschiedlichen Lebensentwürfe und Diversität unserer Gesellschaft aufzeigen, denn die Figuren und Helden in Geschichten haben eine besondere Bedeutung bei Entwicklungs- und Identifikationsprozessen.

Eine Geschichte über den Mut zum Anderssein

Ein Kinderbuch, das sich diesem Thema der Vermittlung von Geschlechterrollenund der Auseinandersetzung mit der eigenen Identität widmet ist ‚Der Junge im Rock‘ von Kerstin Brichzin und Igor Kuprin des Michael Neugebauer Edition Verlags.

In dem Buch geht es um den Jungen Felix, der Röcke mag und der den sehnlichsten Wunsch hat, einen eigenen zu besitzen. Am allerliebsten hätte er einen Rock, der sich wie ein Teller dreht, wenn er mit den Schmetterlingen auf der Wiese tanzt. Als seine Mutter ihm diesen Wunsch erfüllt und ihm einen roten Faltenrock kauft, ist er überglücklich. Seine Eltern, seine Erzieherin und seine Freunde akzeptieren Felix Vorliebe für Röcke. Doch das alles ändert sich, als er mit seiner Familie in eine andere Stadt ziehen muss.

Im neuen Kindergarten wird er von den anderen Kindern ausgelacht und ausgegrenzt. Von allen Seiten hört er, dass nur Mädchen Röcke tragen würden und dass es falsch wäre, dass er einen anhat. Um seinen Sohn zu unterstützen, greift Felix‘ Vater schließlich zu einer ungewöhnlichen Maßnahme: Er kauft sich auch einen Rock und zeigt Felix damit, dass es nicht falsch ist, wenn man sich so zeigt, wie man ist.

Ein Buch mit einer wichtigen Botschaft

Das Buch ‚Der Junge im Rock‘ von Kerstin Brichzin und Igor Kuprin greift ein wichtiges Thema auf, indem es deutlich macht, dass in unserer Gesellschaft immer noch bestimmte Rollenbilder und Muster vorzufinden sind, die es Kindern schwer machen, sich auszuprobieren und herauszufinden, wer sie sind. Denn wer sich mit den klaren Vorstellungen, was männlich und was weiblich ist, nicht identifizieren kann, der muss sich rechtfertigen.

Die Geschichte von Felix, der, nur weil er gerne Röcke trägt, gehänselt wird, regt zum Nachdenken an, ermutigt den Leser, sich selbst zu hinterfragen und bietet eine tolle Möglichkeit, miteinander ins Gespräch zu kommen. Besonders einprägend ist dabei die Haltung der Eltern des Jungen, die ihren Sohn nicht davon überzeugen wollen, etwas anderes anzuziehen, sondern ihn darin unterstützen, seine Röcke selbstbewusst zu tragen und sich treu zu bleiben, egal was andere sagen.

Mit einfacher und verständlicher Sprache und großflächigen, farbigen Illustrationen, widmen sich die Autoren den Themen Individualität und Mut zum Anderssein und plädieren mit der Geschichte von Felix für eine tolerante Welt ohne Klischees und Stereotype, in der jeder so akzeptiert wird, wie er ist.

Dieses Kinderbuch wird Ihnen präsentiert in Kooperation mit dem Hamburger Kinderbuchladen KiBuLa.

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