Die Kitalandschaft im demografischen Wandel – eine Chance für mehr Qualität!
Die Geburtenzahlen sinken – im Osten wie im Westen Deutschlands. Das heißt: Es wird künftig weniger Kinder geben, die einen Kitaplatz brauchen.
Im Osten ist dieser Wandel längst messbar. Die amtlichen Daten zeigen es deutlich. Weniger Kinder, gleichbleibendes Personal, schrumpfende Platzzahlen. Im Westen wirkt die Lage auf den ersten Blick noch stabil. Doch der Eindruck täuscht. Auch hier hat sich die Lage bereits gedreht nur zeigt sie sich noch nicht überall gleich deutlich.
Genau diese Verschiebungen macht das Deutsche Jugendinstitut (DJI) und die TU Dortmund im Rahmen des Fachkräftebarometers deutlich. Wir hatten die Möglichkeit erste Ergebnisse aus der Publikation „Vom Ausbau zum Abbau? Die Kita-Landschaft im demografischen Wandel" kennenzulernen und die Analysen der Wissenschafter:innen zu hören.
Ein Ost-West-Gefälle mit Verzögerung
Die Geburtenzahlen sinken in Deutschland bereits zum vierten Mal in Folge – aktuell um rund 17 Prozent. Seit 2021 wurden etwa 110.000 Kinder weniger geboren. Was viele nicht wissen: Dieser Rückgang trifft Ost und West zeitlich sehr unterschiedlich.
Im Osten zeigte er sich schon seit 2017. Die Zahl der U3-Kinder in Kitas erreichte dort 2019 ihren Höchststand. Seither geht sie kontinuierlich zurück. Im Westen dagegen stieg die Zahl der U3-Plätze noch bis 2024. Erst danach zeigt sich erstmals ein Rückgang – um rund 4 Prozent.
Bei den Ü3-Kindern ist es ähnlich: Im Osten macht sich der Rückgang schon bemerkbar. Im Westen ist davon noch nichts zu spüren. Entsprechend stößt auch der Kita-Ausbau im Westen noch nicht an seine Grenzen: Im Osten wächst die Zahl der Kitas seit 2024 kaum noch. Im Westen geht der Ausbau weiter – wenn auch langsamer und regional sehr unterschiedlich.
Auffällig ist zudem eine Verschiebung beim Personal: Sowohl im Osten (2022/23) als auch im Westen (2024/25) gab es einen Wendepunkt. Erstmals gab es dort mehr offene Stellen als verfügbare pädagogische Fachkräfte.
Ein Flickenteppich statt einer einheitlichen Entwicklung
Für Westdeutschland zeigt sich kein einheitliches Bild. Im Gegenteil: In manchen Regionen gibt es kaum noch Anmeldungen. Anderswo öffnen weiterhin neue Kitas.
Die Forschenden haben deshalb Kreise gebildet, in denen ähnliche Entwicklungen zu beobachten sind. In 246 Kreisen sinken U3-Kinderzahl und Betreuungszahl parallel. In 63 Kreisen steigt die Zahl der betreuten U3-Kinder trotz insgesamt sinkender Geburtenzahlen. Das zeigt: Die Betreuungsquote wächst vielerorts weiter, auch wenn es insgesamt weniger Kinder gibt. Mehr Kinder profitieren also von einem Kitaplatz als je zuvor. Die Unterschiede zwischen ländlichen Regionen und städtischen Gebieten sind auch hierbei zu erkennen.
Von einem systematischen Personalabbau kann bislang keine Rede sein. Wir befinden uns in einer frühen Phase der Entwicklung. Personal lässt sich schließlich nicht von heute auf morgen abbauen.
Dennoch verschieben sich die Parameter am Arbeitsmarkt deutlich: 2023 kamen auf offene Stellen noch 28 Prozent mehr Arbeitslose. 2025 waren es bereits 58 Prozent. Die Debatte verschiebt sich damit, so die Forschenden: Es geht nicht mehr um die Frage, ob der Wandel kommt, sondern wann und wie wir ihn aktiv gestalten können.
Die vollständigen Ergebnisse der wissenschaftlichen Analyse werden in Kürze auch veröffentlicht.
Der Versorgungsstand entscheidet mit – und schafft Gestaltungsspielraum
Die Forscher:innen ziehen ein klares Fazit: Die Reduktion folgt nicht allein dem Geburtenrückgang. Sie hängt stark vom bestehenden Versorgungsstand ab, also davon, wie viele Kitas es in einer Region schon gibt.
Das klingt zunächst nach einer Herausforderung. Es steckt aber auch eine große Chance darin: Wenn weniger Kinder auf ein bestehendes Platzangebot treffen, entsteht Spielraum. Spielraum für kleinere Gruppen, bessere Betreuungsschlüssel und mehr Zeit für jedes einzelne Kind -zumindest in der Theororie. Das sinkende Kinderzahlen auch zu mehr Qualität führen, braucht aber auch angepasste Strukturen in den Rahmenbedingungen und Finanzierungen. Hier sind auch der Bund und die Länder gefragt, die mit den Kommunen gestalten müssen.
Und in Hamburg?
Hamburg ist ein Geburtenrückgang seit 2016 (1,58) zu spüren und im Jahr 2024 auf dem Tiefstand bei einer Geburtenrate von 1,23 angekommen. 2025 gab es im Gegensatz zum bundesdeutschen Blick, bereits eine leichte Erhöhung der Geburtenrate. Hinzu kommt, dass Hamburgs Bevölkerungszahl wächst, und zwar durch Zuzug. So stieg die Bevölkerungszahl um 3,4 % im Jahr 2025.
Auch in Hamburg ist der Rückgang der Kinder in den Kitas spürbar. Wie stark, hängt sehr vom Stadtteil und der dortigen Kita-Abdeckung ab. Der Wandel bei den Kindern führt auch zum Wandel der Kita-Landschaft. In einer Großstadt, wie Hamburg führen steigende Mieten und knapper Wohnraum auch dazu, dass sich Familien Wohnungen nicht mehr in den Stadtteilen leisten können, die früher mal bezahlbarer waren. Eine Politik für Kinder und Familien muss somit nicht nur für ausreichend sondern auch qualitative Kita-Plätze sorgen. Mit sinkenden Kinderzahlen ergibt sich endlich die Möglichkeit in Qualität zu investieren und diese auch mit guten Fachkräften umzusetzen. Dazu braucht es auch eine Stadt, die in Kinder investiert!

