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07.06.18
Autor: Jaco Janocha
Jaco Janocha

Einfache und leichte Sprache

Jeder siebte Erwachsene im Alter von 18-64 Jahren hat laut der LEO (Level-One) Studie (2010/11) Probleme mit dem Lesen und Schreiben. Dabei handelt es sich um Erwachsene, die (noch) nicht so gut Deutsch können, eine geistige Behinderung haben oder an Demenz erkrankt sind. Es sind aber auch Erwachsene, die sicher im Sprachgebrauch sind, denen aber das Lesen von komplexen Sätzen schwer fällt. Die „Leichte und Einfache Sprache“ ermöglicht für bestimmte Personengruppen die Teilhabe am alltäglichen Geschehen.
© Kirsten Haarmann

Während des 1. Norddeutschen Leseförderkongresses, der vom 22. – 25. Februar in Lübeck bei den Bücherpiraten stattfand, bin ich auf das Thema „Einfache und leichte Sprache“ aufmerksam geworden. Der Kongress stand unter dem Motto „Geschichten öffnen Welten“. Es wurde dort über die Zukunft des Kinderbuches diskutiert, sich über verschiedene Leseförderprojekte ausgetauscht und verschiedene Workshops angeboten. Ich habe den Workshop von Angelika Pohl „Zutritt nur für Lesende” besucht, der einen guten Einblick in das Thema „Einfache und leichte Sprache” gegeben hat. Dort haben wir uns vor allem um das Umschreiben von Texten gekümmert, denn Texte in einfacher und leichter Sprache eröffnen Welten und zwar die Welt zum alltäglichen Leben.

Studien zu dem Thema

Während des Kongresses wurden die IGLU-Studie und die LEO-Studie häufiger genannt. Die LEO [Level-One] Studie (2010/2011) belegt, dass jeder 7. Erwachsene (18 -64 Jahre) Probleme mit dem Lesen und Schreiben hat. Die größte Gruppe bilden dabei Erwachsene, die sicher im Sprachgebrauch sind und einzelne Wörter und kurze Sätze lesen können. Bei längeren und komplexeren Sätzen haben sie allerdings Schwierigkeiten und vermeiden das Lesen und Schreiben.

Die IGLU Studie [2016] hat außerdem belegt, dass jedes 5. Kind in der vierten Klasse in Deutschland nicht richtig lesen und schreiben kann!

Was bedeutet das für die Kitas?

Während meiner Tätigkeit als SPA in der Kita habe ich die Ausdrucksweise auf Aushängen, Elternbriefen und Ankündigungen nicht wirklich hinterfragt. Es sollte klar sein, worum es geht, nicht zu viel darauf stehen und schön aussehen. Ich erinnere mich allerdings noch gut an die Momente, in denen die Eltern von einem Ausflug oder einer Veranstaltung überrascht waren und den Aushang nicht gesehen hatten. Nach den o.g. Zahlen frage ich mich, ob es Ihnen überhaupt möglich war, den Aushang zu lesen. Somit empfinde ich es als sehr wichtig, sich mit dem Thema „Einfache und leichte Sprache“ auseinanderzusetzen, da es statistisch gesehen relativ viele Eltern gibt, die den Elternbrief, die Aushänge, die Einladungen und ähnliches nicht lesen können.

Regeln für die leichte Sprache

Es gibt Regeln für die leichte Sprache und die wichtigsten stelle ich euch nun vor:

• Einfache und bekannte Wörter

• Kaum Abkürzungen (wie z.B., d.h., s.o.)

• Zahlen als Ziffer stehen lassen

• Kurze Sätze schreiben

• Einfache und gerade Schriftform (Arial, Verdana, Tahoma)

• Schriftgröße 14 oder größer

• Zeilen-Abstand von 1,5

• Linksbündig schreiben (Überschrift darf mittig)

• Bilder helfen beim Verstehen

• Dunkle Schrift auf hellem Papier

• Prüfen lassen durch Menschen, denen das Lesen schwer fällt

Neben der leichten Sprache gibt es auch die einfache Sprache. Für die einfache Sprache gibt es im Gegensatz zu der leichten Sprache keine verbindlichen Regeln. Es soll darauf geachtet werden, dass es einfach zu verstehen ist. Die Regeln der leichten Sprache sind allerdings für eine Orientierung hilfreich.

Einbindung in das Projekt „Kita-Einstieg“

Wir haben für unsere Anker-Kita im „Kita-Einstieg“ Projekt bereits Aushänge in leichter Sprache gestaltet. Auf dem Fachtag, der am 5. April 2018 in der Bücherhalle stattfand, haben wir gute Rückmeldungen diesbezüglich bekommen. Es ist unser Interesse, dass jeder Elternteil die Informationen, die auf einem Aushang mitgeteilt werden, verstehen kann. Dies ersetzt nicht den persönlichen Austausch mit den pädagogischen Fachkräften, aber wir sind davon überzeugt, dass es die Eltern zufrieden macht, wenn sie selbst lesen können, um was es geht. Neben den Aushängen schreiben wir auch Einladungen für die Eltern zum Kennenlernen und Einladungen zum Elternabend in leichter Sprache. Dabei haben wir uns für den Satz „Wir schreiben in leichter Sprache, damit es jeder lesen kann!” als abschließenden Satz entschieden.

Weiterlesen

Zusammen mit dem Netzwerk leichte Sprache hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales einen Ratgeber zur leichten Sprache herausgegeben. Dort findet ihr alle Regeln und weitere Hinweise: Leichte Sprache- Ein Ratgeber.

Eure Erfahrungen

Was habt Ihr bisher für Erfahrungen gemacht? Wie gestaltet Ihr Eure Elternbriefe und Aushänge? Habt Ihr noch weitere Anregungen?

Wir freuen uns über einen Austausch in den Kommentaren!

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