Blog

11.03.19
Autor: Jaco Janocha
Jaco Janocha

Das hochbegabte Kind in der Kita

Mit dieser Thematik habe ich mich in meiner Bachelor-Arbeit beschäftigt und werde euch im folgenden Blogeintrag einen kurzen Überblick über verschiedene Merkmale, Fördermaßnahmen und gute Literatur geben.

Was bedeutet das für die Kitas?
Es bedeutet erstmal nicht, dass die Kinder so früh wie möglich eine Diagnose erhalten sollen. Zu einer psychologischen Diagnose sollte es in dem Alter erst kommen, wenn bspw. eine frühzeitige Einschulung im Raum steht. Es geht viel mehr darum, die Potenziale der Kinder zu erkennen, zu verstehen und darauf einzugehen.

Merkmale von hochbegabten Kindern
Es sollten einem aber die Merkmale bekannt sein, um eventuelle Verhaltensweisen der Kinder verstehen zu können. Zu den Merkmalen von hochbegabten Kindern gehören laut James Webb (2017):

  • besondere verbale Fähigkeiten
  • außergewöhnlich gutes Gedächtnis
  • ausgeprägte Neugierde
  • breites Interessensspektrum
  • Interesse am Experimentieren
  • leidenschaftliche Vorstellungskraft und Kreativität
  • ungewöhnlicher Sinn für Humor
  • Verlangen nach Gründen und tieferem Verständnis
  • Ungeduld mit Anderen oder mit sich selbst
  • längere Aufmerksamkeitsspanne
  • komplexes Denken
  • Auseinandersetzung mit sozialen oder politischen Problemen
  • Sensibilität
  • Tagträumen

Im Vorschulbereich weist jedes Kind Neugier, Ausdauer und Kreativität auf, dennoch unterscheiden sich Kinder mit hochbegabten Fähigkeiten. Die besondere Ausdauer ist auffallend; genauso wie das detaillierte Wissen über bestimmte Bereiche. Bspw. kann ein Kind jeden Dinosaurier bestimmen und noch etwas über das Verhalten und den Lebensdaten sagen.

Bei Mal- und Bastelangeboten kann es vorkommen, dass die Kinder ihre Objekte einfach zerstören, weil sie unzufrieden damit sind. In ihrer Vorstellung haben sie einen sehr detaillierten Plan, den sie oft aber noch nicht so auf dem Papier umsetzen können. Das Kind scheitert somit an seinen eigenen hohen Ansprüchen. Anderseits kann es aber auch sein, dass die Kinder gar nicht erst mit einem Mal- und Bastelangebot beginnen. Die Ursache dafür könnte bspw. sein, dass die Kinder bereits davon ausgehen, dass sie diese Aufgabe nicht nach ihrer Vorstellung oder aber auch nach den Vorstellungen der Erwachsenen umsetzen können. Kinder bringen die Anstrengungsvermeidung bspw. dadurch zum Ausdruck, dass sie darauf absolut gar keine Lust haben oder desinteressiert wirken.

Die ausgeprägte Neugierde führt zu bohrenden Fragen. Sie wollen die Dinge verstehen und das bis ins kleinste Detail. Vor allem „Warum?“-Fragen werden verwendet. Die „Warum?“-Fragen von Kindern mit dem Potenzial zur Hochbegabung unterscheiden sich von anderen „Warum?“-Fragen. Diese Kinder möchten bspw. wissen, warum Licht schneller ist als Schall. Es geht bei den Fragen viel mehr um abstrakte Vorstellungen. Für pädagogische Fachkräfte ist das eine Herausforderung, denn es kann passieren, dass sie Fragen selbst nicht beantworten können. Diese Situation können sie als Chance sehen und gemeinsam mit dem Kind auf die Suche nach der Antwort gehen.

Was bedeutet das für die pädagogische Fachkraft?
Für die pädagogische Fachkraft bedeutet das in erster Linie, dass sie ihr eigenes Bild von hochbegabten Kindern hinterfragen und reflektieren sollte. Denn in den Medien werden hochbegabte Kinder bspw. häufig als sozialinkompetent und als Überflieger dargestellt, denen einfach alles ohne Anstrengung gelingt. Hochbegabte Kinder ziehen Freundschaften zu älteren Kindern oder auch Erwachsenen häufig vor, weil sie mit gleichaltrigen Kindern oft keine Gesprächsthemen finden oder die Spielideen als langweilig empfinden. Deswegen sind sie aber nicht sozialinkompetent. Vielmehr noch können sie Konflikte besser verbal lösen und werden häufig als sehr empathisch wahrgenommen. Es fliegt ihnen auch nicht alles ohne Anstrengung zu. Sie müssen wie jedes andere Kind auch gefördert werden. Dabei sollten Kinder auch unterstützt werden, wenn Kinder bspw. lesen lernen wollen. Viele Eltern sind dann besorgt, dass sich das Kind in der Schule langweilt. Es ist allerdings falsch, die Interessen der Kinder nicht zu unterstützen. Dabei geht es nicht darum, sie zu überfordern, sondern lediglich darum, sie bei ihrem Weg und ihren Interessen zu begleiten. Sobald pädagogische Fachkräfte oder Eltern sich rausziehen und die Interessen nicht begleiten, kann es dazu führen, dass das Kind frustriert ist und sich diese Frustration auf die Entwicklung auswirkt. Dazu gehören wichtige Fähigkeiten wie Aufmerksamkeit, Konzentration, Anstrengungsbereitschaft und die Anwendung von Lernstrategien.

Welche Fördermaßnahmen gibt es?
Der Vorteil der empfohlenen Fördermaßnahmen liegt darin, dass sie für alle Kinder in der Kita von Vorteil sind und dass viele von euch sie vermutlich bereits umsetzen. Exemplarisch möchte ich euch zwei Fördermaßnahmen vorstellen und beschreiben, warum diese für Kinder mit Hochbegabungspotenzial sinnvoll sind: Verfügbare Materialien in den Räumlichkeiten und Lernwerkstätte.

Die Materialien in den Räumlichkeiten sollten für die Kinder frei und selbstständig zugänglich sein. Zu den empfohlenen Materialien gehören:

  • hochwertige Bücherauswahl: Sachbücher, Bücher in verschiedenen Sprachen, Bücher für Erstleser*innen
  • Utensilien zum Forschen: Mikroskop, Pinzette, Lupe
  • Strategie- und Gesellschaftsspiele: gerne auch Spiele, bei denen um die Ecke gedacht werden muss und wo im Team gespielt wird. Wichtig: dabei unbedingt die Altersbegrenzung aufheben
  • Materialien ohne bestimmten Verwendungszweck: Steine, Korken, Eislöffel, Knöpfe, Bauklötze

In Lernwerkstätten können die Kinder ihren eigenen Interessen individuell nachgehen. Dafür werden Räume oder auch Raumecken benötigt, in denen sie alleine oder in einer Gruppe ihrem Forscherdrang nachgehen können. Die Lernwerkstätten können unter einem bestimmten Thema stehen wie Holz, Zahlen, Ernährung, Wasser oder auf das aktuelle Projekt abgestimmt sein.

Weitere Fördermaßnahmen findet ihr in den angegebenen Büchern.

Abschließende Anmerkung:
Jedes Kind, egal ob hochbegabt oder nicht, braucht eine individuelle Förderung. Die individuelle Förderung wird gesichert durch eine wertschätzende, authentische und wahrnehmende Haltung der pädagogischen Fachkraft und einen Kita-Alltag, der sich an den Bedürfnissen der Kinder richtet. Dieses wird durch regelmäßige Beobachtungen und durch die Teilhabe der Kinder ermöglicht.

Verwendete Literatur:
Diese Literatur kann ich euch zu dem Thema wärmstens empfehlen.

Nun zu euch:
Habt ihr euch schon mit dem Thema beschäftigt? Was sind eure Gedanken dazu? Hattet ihr vielleicht schon ein hochbegabtes Kind in euerer Gruppe?

Wir freuen uns über eure Rückmeldungen!

Schreibe einen Kommentar