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30.03.20
Autor: Sarah Stüber
Sarah Stüber

Was bedeutet das Sozialdienstleisterentsendegesetz für Kitas?

Was bedeutet das neue SodEG für die Kindertagesbetreuung? Der Bundestag hat ein umfangreiches Gesetzespaket gegen die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise verabschiedet. Wir sind der Frage nachgegangen, welche finanziellen und personellen Konsequenzen dabei das Sozialdienstleisterentsendegesetz für Kitas beinhaltet.

Weshalb macht es Sinn, wenn pädagogische Fachkräfte nun außerhalb ihrer Kita eingesetzt werden?

In vielen Bereichen fehlt es derzeit an Personal. Aufgrund des Fachkräftemangels waren schon vor der Corona-Krise Stellen unbesetzt; nun kommen noch diejenigen hinzu, die mit SARS-CoV-19 infiziert sind oder vorsorglich unter Quarantäne stehen. Im pädagogischen Bereich wird unter anderem in stationären Einrichtungen und in Familienhilfen dringend Unterstützung gebraucht. Schon heute erleben wir eine große Solidarität und viele Fachkräfte helfen schon heute in anderen Bereichen aus.

Geht das überhaupt arbeitsrechtlich?

Wir glauben, dass diese Frage nicht an erster Stelle steht: in vielen Kitas wollen die Kolleginnen und Kollegen, die derzeit nicht in der Notbetreuung gebraucht werden, woanders helfen. Die Entsendung in andere Arbeitsbereiche könnte daher als ehrenamtliches Engagement stattfinden; während der Träger die Freiwilligen bei vollem Gehalt freistellt.
Eine Freistellung bei vollem Gehalt ist natürlich nur tragfähig, wenn die Kitas weiterhin die vollen Entgelte erhalten. Das SodEG sagt auch etwas darüber, wie Sozialdienstleister weiter finanziert werden. Die genauen Auswirkungen werden auch je nach Bundesland variieren und sind in den nächsten Tagen zu besprechen.

Unser Team möchte gerne helfen. Können wir uns nun alle engagieren?

Wir empfehlen eine einfache "Formel", um festzustellen, wer aus dem Team sich außerhalb der Kita engagieren kann:

Formel wer tut was
- wer aus unserem Team gehört zur Risikogruppe? diese Personen sollten im Homeoffice bleiben, konzeptionell arbeiten oder sich fortbilden
+ aus wem besteht dann noch unser Team? unsere Arbeitskraft
- wie viele davon werden in der Notbetreuung gebraucht? (Anmeldungen für nächste Tage mitbedenken)
- die gleiche Anzahl benötige ich für die "stille Reserve"; sie kann im Wochenwechsel (oder 14-Tg.-Rhytmus) die Notbetreuung abwechseln
= Ergebnis die verbleibenden Kolleginnen oder Kollegen können sich außerhalb der Kita engagieren.

Steigt damit nicht die Infektionsgefahr?

Mit jedem Kontakt zwischen Menschen steigt statistisch die Wahrscheinlichkeit, dass sich das neuartige Corona-Virus in der Bevölkerung weiter ausbreitet. Deshalb gilt auch die allgemeine Kontaktsperre und wir sollten uns bei jeder sozialen Interaktion fragen: ist dieser Kontakt nötig? Wenn pädagogische Fachkräfte unterstützen, wo sie aktuell gebraucht werden, dann in Bereichen, die - wie auch Kitas - zur Daseinsfürsorge gehören. Hier wird jede helfende Hand gebraucht und in der Abwägung ist in diesen Fällen der Arbeitseinsatz wichtiger als die Kontaktminimierung.

Und nun Ihr

Wie denkt Ihr über das neue Gesetz? In welchen Bereichen können pädagogische Fachkräfte sinnvoll unterstützen, wenn sie in der eigenen Kita nicht gebraucht werden? Wir geht Ihr mit Sorgen von Kolleginnen und Kollegen um? Wie sollte Euer Bundesland das SodEG umsetzen?
Schreibt uns von Euren Erfahrungen und Gedanken zu diesem Thema im Kommentarbereich.

Kommentare

# 31.03.20, Anna:

Das Gesetz ist eine passable Absicherung für den Notfall. ABER: die Länder und Kommunen sollten die finanzielle Förderung der Kitas nicht reduzieren. Die Gelder sind ohnehin budgetiert, und die Kitas können ihre laufenden Kosten kaum reduzieren. Schließlich wollen wir unsere Mitarbeiter*innen alle behalten und auch Kurzarbeit vermeiden. Wenn Kurzarbeit notwendig wird, muss auch die Finanzierung für eine Aufstockung durch den Träger da sein.
Ein Einsatz zur Krisenbewältung außerhalb der Kitas sollte unbedingt die Präferenzen der Fachkräfte berücksichtigen und ihr fachliches Know-How im Bereich Bildung, Erziehung und Kinderschutz nutzen, um Kindern und Familien durch die Krise zu helfen.

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