Übergänge gemeinsam stärken 

Unsere Eindrücke und Erkenntnisse vom ersten Expert:innenforum zur Weiterentwicklung des Übergangs Kita-Schule 

Wenn Kinder von der Kita in die Schule wechseln, verändert sich vieles auf einmal: Räume, Menschen, Tagesrhythmus und Erwartungen. Ein guter Übergang kann diesen Schritt so gestalten, dass Kinder ihn als Weiterentwicklung erleben und nicht als Bruch. Dieses Ziel hat sich auch die neue Behörde für Schule, Familie und Berufsbildung (BSFB) gesteckt. Mit dem Umzug des Amts für Familie und damit u.a. der Abteilung Kindertagesbetreuung von der Sozialbehörde in die BSFB sollen nun in einem Projekt erstmals konkrete Synergien geschaffen und genutzt werden, um die institutionelle Bildungsbiografie als Ganzes zu betrachten und zu gestalten. Und dazu hat die Stadt ein Projekt aufgesetzt - das Projekt zur "Weiterentwicklung Übergang Kita - Schule". 

Erster Austausch im Expert:innenforum 

Anfang September trat im Rahmen dieses Projekts zum ersten Mal das Expert:innenforum aus der Praxis beider Institutionen zusammen. Aus unserer Sicht zeigten sich unterschiedliche Bildungsverständnisse und unterschiedliche Blicke auf das Kind. Zugleich wurde deutlich, dass beide Seiten mehr gemeinsam haben, als oft angenommen wird. Auch wir durften sowohl Kolleg:innen aus unserer Geschäftsstelle als auch aus Trägerschaft und Praxis unserer Mitglieder beisteuern und gemeinsam am Fundament für eine verbesserte Kooperation arbeiten.  

Wo der Schwerpunkt lag 

Ziel der ersten Veranstaltung war vor allem eine Bestandsaufnahme der aktuellen Praxis. Dabei ging vor allem eins hervor: Es scheitert weniger an Expertise und erprobten Vorgehensweisen als an der flächendeckenden Umsetzung und verlässlichen Kanälen der Zusammenarbeit. Diese Erkenntnis hängt unmittelbar zusammen mit der Frage nach Ressourcen, aber auch der Verbindlichkeit.  

Was uns wichtig ist 

Wir sind überzeugt, dass ein guter Übergang mehr ist als ein möglichst vollständiger Überblick über die messbaren Kompetenzen und Potenziale eines Kindes. Damit Kinder einen guten Übergang erleben, braucht es einen ganzheitlichen gemeinsamen Blick aufs Kind, einen vertrauensvollen und wertschätzenden Dialog zwischen den Institutionen und zeitliche Ressourcen auf beiden Seiten.  

Wir haben erlebt, dass die Institutionen teilweise eher wenig von der Arbeit der jeweils anderen wissen und gegenseitige Ansprüche aufeinander treffen, die eines offenbaren: Wir brauchen ein gemeinsames Verantwortungsgefühl für das Wohlbefinden der Kinder, für die Aufgabe jedem Kind gute Chancen zu ermöglichen. Die Kita ist nicht primär dazu da, um die Kinder auf die Schule vorzubereiten und Ziel eines verbesserten Übergangs darf es auch nicht sein, Kitas mit mehr Verantwortung für einen guten Start in die schulische Bildung zu übertragen. Die Schule hat nicht die alleinige Aufgabe, Kindern Bildung zu ermöglichen. Es ist die gemeinsame Aufgabe beider Bildungsinstitutionen, alle Kinder in ihrem individuellen Bildungsprozess zu begleiten, ihnen den Zugang zu Bildung und Chancen zu ermöglichen, und zwar angepasst an die individuellen Bedürfnisse des Kindes.   

Was sich jetzt ändern muss 

Wir erwarten, dass die Weiterentwicklung des Übergangs Kita–Schule die Verantwortung beider Seiten verbindlich stärkt. Dazu gehört auch, Schulen stärker in die aktive Kooperation mit Kindertageseinrichtungen einzubinden. 

Gleichzeitig braucht es ausreichende Ressourcen für mittelbare pädagogische Arbeit in den Kitas. Denn Gespräche mit Lehrkräften, die Begleitung von Familien und eine gute Übergangsgestaltung kosten Zeit. Diese Zeit darf nicht zulasten der pädagogischen Arbeit mit den Kindern gehen. 

Unser Ziel ist ein Übergang, der nicht nur organisatorisch funktioniert, sondern sich für Kinder und Familien gut anfühlt. Dafür müssen Kita und Schule gemeinsam handeln – mit einem klaren Blick auf das Kind und der Überzeugung, dass gute Bildung eine gemeinsame Aufgabe ist. 

Wie erlebt ihr die Zusammenarbeit beim Übergang von der Kita in die Schule? Was muss sich ändern, damit Kinder und Familien besser begleitet werden? 

Wir freuen uns auf deine Perspektiven: info@kindermitte.org

Diese Artikel könnten dich auch interessieren:

15. Oktober 2026

Tag der Kinderrechte. Wofür steht Kindermitte? 

Am 20.11. Ist internationaler Tag der Kinderrechte, vor über 35 wurden die UN-Kinderrechtskonvention verabschiedet. Wir nutzen diese Gelegenheit, um uns zu positionieren ...

Tag der Kinderrechte. Wofür steht Kindermitte? 
15. Oktober 2026

Kinderperspektiven als blinder Fleck von Schutzkonzepten

Schutzkonzepte sollen Kinder vor Gewalt und Grenzverletzungen schützen. Doch wie gut kann dies gelingen, wenn Kinder bei ihrer Entwicklung kaum gefragt werden? ...

Kinderperspektiven als blinder Fleck von Schutzkonzepten
15. Oktober 2026

Qualität beginnt mit der Frage: Was brauchen Kinder?

Gute Kita-Qualität lässt sich nicht allein von außen beurteilen. Sie entsteht im täglichen Miteinander und vor allem dann, wenn wir die Perspektive ...

Qualität beginnt mit der Frage: Was brauchen Kinder?
15. Oktober 2026

Wege aus der Rosa-Hellblau-Falle: Was bleibt? 

Am 06. Oktober haben wir gemeinsam mit Sascha Verlan, Autor der "Rosa-Hellblau-Falle" über Geschlechterrollen, Gendermarketing und die Frage gesprochen: Wie viel „Rosa ...

Wege aus der Rosa-Hellblau-Falle: Was bleibt? 
21. September 2026

„Wir dürfen bei den Kindern nicht den Rotstift ansetzen“ – Interview zum Hamburger Haushaltsentwurf 2027/2028 

Der Hamburger Haushaltsentwurf für 2027 und 2028 sorgt in der Kita-Landschaft für Diskussionen. Kindermitte kritisiert, dass trotz vorhandener Mittel zu wenig in die Qualität ...

„Wir dürfen bei den Kindern nicht den Rotstift ansetzen“ – Interview zum Hamburger Haushaltsentwurf 2027/2028 
17. September 2026

Unser Trägeraustausch im Montessori Kinderhaus Vierlanden

Kindermitte e.V. bietet für seine Mitglieder regelmäßige Austausch-Treffen an. Diese Veranstaltung bringt Träger zusammen, um voneinander zu lernen, Einblicke in unterschiedliche pädagogische ...

Unser Trägeraustausch im Montessori Kinderhaus Vierlanden

Fragen?

Du bist Träger und suchst Rückendeckung, Austausch und eine starke Stimme? Du bist Teil einer Organisation, eines Netzwerks oder der Politik – und willst mit uns gemeinsam Bildung voranbringen? Dann lass uns reden. Über gemeinsame Ziele, mögliche Projekte und darüber, wie wir zusammen mehr bewegen können.