Ein Schulgarten hier, eine Klimawoche dort: Bildung für nachhaltige Entwicklung hat in vielen Einrichtungen längst einen Platz gefunden. Aber was, wenn sie nicht nur ein Extra ist, sondern fester Teil des ganzen Tages?
Warum gerade jetzt über BNE sprechen?
Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) soll Kindern ein Gespür dafür geben, wie das eigene Handeln die Welt verändert und sie dazu befähigen, diese verantwortungsvoll zu verstehen und mitzugestalten. Das ist erklärtes Ziel von ‚BNE 2030', dem UNESCO-Programm zur Umsetzung der UN-Nachhaltigkeitsagenda.
2015 verabschiedeten die Vereinten Nationen die Agenda 2030 mit ihren 17 Nachhaltigkeitszielen. Bildung für nachhaltige Entwicklung ist darin fest als Bildungsauftrag verankert. Im selben Jahr startete die UNESCO das Weltaktionsprogramm BNE, um diesen Auftrag in die Bildungssysteme der Welt zu tragen. Deutschland folgte 2017 mit einem eigenen Nationalen Aktionsplan. Seit 2020 läuft die Fortsetzung unter dem Namen „BNE 2030", mit dem erklärten Ziel, BNE bis zum Ende des Jahrzehnts fest in allen Bildungsbereichen zu verankern.
Bundesweit engagieren sich gerade rund 12 Prozent der Schulen so sichtbar für Nachhaltigkeit, dass sie dafür ein entsprechendes Label tragen. Das heißt nicht, dass an den anderen 88 Prozent nichts passiert, aber es zeigt, dass zwischen Anspruch und gelebtem Alltag noch Luft ist. Das ist kein Grund zur Sorge, sondern eher eine Einladung, denn es gibt viel Spielraum, BNE noch selbstverständlicher werden zu lassen.
Der Ganztag als natürlicher Ort für BNE
Fachleute sehen im Ganztag eine besondere Chance für BNE, weil nachhaltiges Denken und Handeln mehr braucht als Wissen. Es braucht Raum für Projekte, praktische Erfahrungen und Lernformen, die im eng getakteten Unterricht oft zu kurz kommen. Der Nachmittag kann so zu dem Ort werden, an dem Kinder Nachhaltigkeit nicht nur besprechen, sondern erleben: beim gemeinsamen Kochen mit saisonalem Gemüse, beim Pflegen eines Beets oder beim Nachdenken darüber, wie der Pausenhof umgestaltet werden könnte.
Besonders wertvoll wird das, wenn Kinder dabei mitbestimmen dürfen. BNE fördert Partizipation und das Erlernen von Teilhabe. Nachhaltigkeit wird dann nicht nur erklärt, sondern gemeinsam ausgehandelt und genau das bleibt hängen.
Nicht additiv, sondern verbunden: der Whole Institution Approach
Ein Begriff, der in der aktuellen Fachdiskussion immer wieder auftaucht, ist der „Whole Institution Approach". Er beschreibt die Idee, BNE nicht als einzelnes Projekt neben vielen anderen zu behandeln, sondern als verbindendes Leitprinzip für die ganze Einrichtung, also vom Unterricht über die Pausenverpflegung bis zum Schulgarten.
Für den Ganztag heißt das vor allem eines: Es geht nicht darum, on top noch ein weiteres Projekt zu stemmen. Es geht um das, was ohnehin schon da ist, also Kochen, Freizeit, Ausflüge, gemeinsame Zeit im Team Schritt für Schritt mit einem nachhaltigen Blick zu verbinden.
Kooperationen machen es leichter
Niemand muss BNE allein stemmen. Viele Kommunen setzen inzwischen auf Kooperationen mit außerschulischen Partnern, etwa mit Umweltverbänden, die gemeinsam mit dem Ganztag Randzeiten und Ferienbetreuung im Grünen gestalten oder mit lokalen Vereinen für gemeinsame Projekte. Solche Partnerschaften nehmen Trägern und Fachkräften Arbeit ab und bringen zugleich frisches Praxiswissen in den Alltag.
Ein positiver Blick nach vorn
BNE im Ganztag zu verankern, ist kein Sprint und kein Projekt mit Enddatum. Vielmehr ist es eine Entwicklung, die wachsen darf. Wer heute schon einzelne Bausteine hat, ist auf einem guten Weg. Wer noch ganz am Anfang steht, kann getrost klein beginnen, mit einem Beet, einer Frage im Kinderrat oder einem gemeinsamen Blick darauf, was im eigenen Alltag schon nachhaltig ist. Entscheidend ist weniger das Tempo als die Richtung und die Überzeugung, dass der Ganztag mit seiner Zeit und Nähe zu den Kindern ein besonders guter Ort dafür ist.
Mehr über BNE erfahren
BNE lässt sich nicht an einem Nachmittag einführen und muss es auch nicht. Egal ob du gerade die ersten Ideen sammelst oder schon lange dabei bist und nach frischem Input suchst, es gibt hilfreiche Materialien und Beispiele, die dir weiterhelfen können:
BNE-Portal – Nationaler Aktionsplan Bildung für nachhaltige Entwicklung
BNE-Portal – Whole Institution Approach – der ganzheitliche BNE-Ansatz

